“Spinnen haften ohne Klebstoff”

Fliegen wie ein Vogel, schwimmen wie ein Fisch, sehen wie ein Luchs – vieles versucht der Mensch Tieren und Pflanzen nachzu-empfinden und zu nutzen. Die Entwicklung der Menschheit wäre ohne Vorbilder aus der Natur kaum denkbar. Da ist zum Beispiel die braun gefärbte Hausspinne (Tegenaria atrica). Wenn jetzt im Herbst die Temperaturen sinken, findet sie mit ihren langen behaarten Beinen den Weg in unsere Wohnungen. Borstig wie sie aussieht, verursacht die Hausspinne bei vielen Menschen Ekel, gilt als unberechenbar und fügt nach landläufiger Meinung schmerzhafte, wenn nicht gar tödliche Bisse zu. Kein Zweifel: Das kleine Krabbeltier und der große Mensch sind sich spinnefeind. Deshalb entwickeln viele Zeitgenossen beim Anblick einer Spinne einen enormen Jagdeifer und machen kurzen Prozess: Weg mit der Spinne in den Abfluss!
Auf vielfältige Eingriffe in die Natur, aber auch auf den Verfolgungswahn des Menschen ist es zurückzuführen, dass die LÖBF schon 40 % der 633 in NRW lebenden Spinnenarten auf die Rote Liste der gefährdeten Tiere setzen musste.
Doch haben Spinnen das verdient? Die kleinen Krabbeltiere können Vorbild für eine Reihe technischer Entwicklungen und Neuerungen sein. Warum kann die Spinne glatte Wände hochkrabbeln, ohne herunterzufallen? Klebstoff hat sie nicht unter ihren acht Füßen, sondern feine Härchen, die durch Anziehungskräfte an der Wand gehalten werden und sich durch elastische Verformung dem Untergrund anpassen. Je größer und schwerer die Spinne, desto feiner und zahlreicher sind die Härchen. Die Springspinne “Evarcha arcuata“, das haben Wissenschaftler der Universitäten Bremen und Zürich festgestellt, könnte sich noch an der Wand halten, wenn sie das 173fache ihres eigenen Gewichts tragen müsste, das wären umgerechnet 24 Tonnen pro Quadratmeter. Wissenschaftler sind nahe daran, diese Erkenntnisse in brauchbare Erfindungen umzusetzen. In nicht allzu ferner Zukunft werden Bilder mit einem Tape an die Wand gehängt, das sicher hält, leicht wieder zu lösen und neu zu verwenden ist. Selbst schwere Gegenstände wie Kronleuchter könnte man mit künstlichen Spinnenfüßen befestigen. Auch Bergsteiger gewännen an Sicherheit, wenn Stiefel und Handschuhe an der Steilwand einfach haften blieben und sich ebenso leicht vom Untergrund wieder abziehen ließen. Und warum sollte man – wie die Spinne – nicht mal auf unkonventionelle Art durch seine Wohnung gehen: mit getapten Schuhen die Wand hoch, kopfüber an der Zimmerdecke entlang und an der anderen Wand wieder herunter?

Auch das Spinnennetz hat das Interesse der Wissenschaft geweckt. Die Fäden aus Kohlestoffverbindungen haben hervorragende Eigenschaften. Sie sind leicht, wasserfest, elastisch und biologisch abbaubar. Somit könnten sie eines Tages Nylon- und Karbonfasern den Rang ablaufen. Und wer hat schon acht unterschiedlich große Augen mit beweglichen Netzhäuten? Nach diesem Vorbild haben amerikanische Wissenschaftler eine Kamera mit einer schwingenden Linse entwickelt. Vor einem Mikrochip mit Fotosensoren angebracht, erhöht sie die Schärfeleistung des Chips erheblich.
Spinnen sollte man also nicht vernichten, sondern schonen. Sie sind zwar Räuber, führen aber gegen den Menschen nichts Böses im Schilde. Das Gift kann uns nichts anhaben, außerdem ist die Haut des Menschen für einen Spinnenbiss meist zu dick. Man kann die Krabbeltiere also schadlos nach draußen befördern. Wer sich ekelt, schubst sie in einen Becher und setzt sie an die frische Luft oder ignoriert sie einfach.
Weiterer Autor: G. Hellmann.
Saving...
find ich gut, endlich mal ein Beitrag für diese verkannten Lebewesen, ich bevorzuge auch die Bechermethode
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