Landtagswahlergebnisse 2010
11. Mai 2010 - Von amarillyon in Politik | Druckversion | Versandversion
Ein spannender Wahlsonntag. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen von CDU und SPD und ein Ausgang, der zumindest eines nicht aufweist: Klare Verhältnisse.
In Heiligenhaus hingegen kristalisierte sich im Laufe des Sonntagabend doch ein etwas deutlicheres Votum der Wählerinnen und Wähler heraus…
„Schwarz-Gelb ist abgewählt!” — dies war sehr schnell klar. Schon die ersten Prognosen gegen 18 Uhr machten deutlich, dass es für die Regierungskoalition vom CDU und FDP in der nächsten Legislaturperiode des Landtags von Nordrhein-Westfalen nicht reichen würde.
Dennoch blieb es bis zum Schluß (und darüber hinaus) ein spannender Wahlabend. Insbesondere durch die nahezue Stimmgleichheit der beiden „großen Parteien”. Am Ende trennten CDU und SPD nur 6200 Stimmen!
Die CDU verlor im Vergleich zur letzten Landtagswahl dramatische 10,2% ihrer Stimmen. Sie kam landesweit auf 34,6% (67 Sitze (-22)) und bleibt damit – wenn auch äußerst knapp – stärkste Kraft in NRW. Ob dies reicht, um mit Jürgen Rüttgers erneut den Ministerpräsidenten stellen zu können, bleibt abzuwarten. Rüttgers selbst hatte am Wahlabend, so kolportiert es zumindest die Presse, den Impuls seinen Rücktritt anzubieten. Erst auf drängen seiner Kollegen im Vorstand der Partei unterließ er diesen Schritt zunächst.
Dennoch hat er die Größe, die „politische Verantwortung” für die Wahlniederlage zu übernehmen. Mit welchen Konsequenzen, bleibt abzuwarten…
Der Koalitionspartner FDP konnte die formidablen Ergebnisse der Wahlen aus dem Vorjahr (Europa, Kommunal und Bundestag) nicht wiederholen und verlor im Vergleich dazu gut die Hälfte seiner Wähler. Im Vergleich zur letzten Landtagswahl in NRW hingegen legte sie allerdings sogar gut einen halben Prozentpunkt auf letztendlich 6,8% (13 Sitze (+1)) zu. Dennoch ist der „Höhenflug” der Liberalen damit wohl erst einmal beendet. Und die Beteiligung an der Landesregierung wohl auch.
Die SPD, von vielen ihrer Anhänger und vor allem von ihren „Spitzenpolitikern” schon euphorisch als „Gewinnerin der Wahl” gefeiert, setzt in ihrem einstigen „Stammland” NRW ihre „Talfahrt” weiter fort. 34,5% (67 Sitze (-7)) bedeuten im Vergleich zur Landtagswahl zuvor einen Verlust von -2,6%. Gut, man kann den Sozialdemokraten zugute halten, dass sie immerhin „besser als erwartet” abgeschnitten und im Vergleich zur Bundestagswahl im letzten Jahr über 10% zugelegt haben. Dennoch bleiben sie – wenn auch äußerst knapp – nur zweitstärkste Kraft hinter der CDU.
Einen „eindeutigen Regierungsauftrag” daraus zu erschließen, erschließt sich wohl eben nur den Propagandisten der Partei…!? Aber es ist ja ein hinlänglich bekannter Reflex, dass die Vertreter einer Partei ihr Ergebnis – unabhängig der tatsächlichen Verluste – schönrechnen und sich daraufhin selbst als „Gewinner” titulieren. Da reicht es oft, das der „politische Gegner” eben größere Verluste einfuhr als man selbst. Man erinnere sich nur einmal an den Auftritt von Gerhard Schröder nach der vorgezogenen Bundestagswahl 2005…
Am ehesten dürfen sich – zumindest gemessen an ihren Stimmenzugewinn – die Grünen als „Gewinner der Wahl” bezeichnen. Sie bekamen 12,1% (23 Sitze (+11)), was einen zuwachs von 5,9% bedeutet und erreichten damit ihr bestes Ergebnis in NRW „ever”. Damit gelten sie (theoretisch) als „Königsmacher”, können diese Rolle aber Aufgrund des schlechten Abschneidens der beiden großen „Volksparteien” nicht wirklich realisieren.
Ebenfalls einen Grund zum Feiern hat wohl Die Linke, die mit 5,5% (11 Sitze) ihr Ergebnis aus der vorherigen Landtagswahl nahezu verdoppeln konnte und somit erstmals in den Landtag von Nordrhein-Westfalen einziehen darf.
Koalitionspoker
Das Ergebnis der Wahl – insbesondere das „Patt” der beiden großen Parteien CDU und SPD – wird die Spannung noch weit über den Wahlsonntag hinaus aufrecht erhalten. Denn so sehr es klar ist, dass die bisherige Regierungskoalition nicht so weiter regieren wird, so unsicher bleibt es, wie denn nun die neue Regierung aussehen wird. Denn auch für die angestrebte Alternative „Rot-Grün” fehlt am Ende mindestens ein Sitz im Landdtag. Durch die identische Fraktionsstärke von SPD und CDU gilt für „Schwarz-Grün” dasselbe.
Folglich ist das bunte Farbenspiel eröffnet…
Rechnerisch ergeben sich vier mögliche Konstellationen:
• Rot-Rot-Grün — zusammen kämen die drei Fraktionen auf 101 Sitze, und somit auf eine komfortable Regierungsmehrheit. Allerdings tut sich gerade die SPD schwer, mit den Linken zu koalieren. Zu sehr worden und werden die Linken stigmatisiert, und das bürgerliche Lager würde – insbesondere nach der hilflosen Wahlkampagne der CDU mit dem „Schreckgespenst” Rot-Rot-Grün – mit allen Mitteln versuchen den Teufel „Kraftilanit” an die Wand zu malen. Die Grünen in NRW sind allerdings – entgegen ihren Parteikollegen im Saarland, die sich dort lieber zu jenem Ministerpräsidenten gesellten, den sie im Wahlkampf noch so beherzt abwählen wollten, als sich mit den Linken zusammen ihrem Wunschkandidaten der SPD zu diesem Amt zu verhelfen – durchaus „gesprächbereit” ein Rot-Rot-Grünes Bündnis einzugehen. Die Linken ebenfalls.
Für CDU und FDP wäre es sicherlich das „Worst Case Cenario”. Denn nicht nur, dass sie damit beide in NRW in die Oposition gehen müssten – sollte das „Modell Rot-Rot-Grün” Schule machen, gäbe es für die mittelfristige Zukunft ein nicht zu unterschätzendes Problem für das sogenannte „bürgerliche Lager” in einem „5-Parteien-System”. Weshalb auch die fast panische Angst vor solch einer Koalition zu erklären ist.
Dass es in anderen Landesparlamenten (Berlin, Brandenburg) längst zu einer Zusammenarbeit zwischen SPD und den Linken gekommen ist – und dort auch die prophezeiten katastrophalen Zustände meist ausgeblieben sind – wird leichtfertig übergangen. Allerdings wäre eine solche Konstellation in einem westdeutschen Bundesland tatsächlich eine neue Qualität.
Somit bleibt es an der SPD, ob sie sich „traut” gegen den mit Sicherheit einsetzenden „Sturm der Entrüstung” aus dem bürgerlichen Lager auf dieses „Abenteuer” einzulassen.
• Rot-Gelb-Grün (Ampel) — rein rechnerisch wäre dies auch eine Option. Angesichts der „Angst” vor einer Regierungsbeteiligung der Linken ist dies für viele Parteistrategen, insbesondere in der SPD, eine durchaus gangbare Option – ungeachtet der sehr auseinander driftenden Ansichten bei vielen Sachthemen. Allerdings scheinen die beiden „Juniorpartner” – insbesondere die FDP – nicht wirklich angetan von dieser Idee.
• Schwarz-Gelb-Grün (Jamaika) — eine Zusammenarbeit der CDU mit den Grünen ist gar nicht mehr so „unnatürlich” – und in einigen Bundesländern (Hamburg, Saarland) wird sie längst praktiziert. Allerdings gibt es insbesondere in der Energie- und Bildungspolitik bei den Grünen doch so erhebliche Unterschiede zu den Zielen der CDU und der FDP, dass eine solche Zusammenarbeit eher unwahrscheinlich wird. Oder zumindest den Grünen einiges abverlangen würde.
• Schwarz-Rot (Große Koalition) — wenn alle Stricke reissen, bleibt natürlich immer die Option einer Koalition zwischen CDU und SPD. Allerdings wäre es dann Essig mit den Bestrebungen der SPD die nächste Ministerpräsidentin zu stellen. Denn immerhin wäre die SPD, wenn auch nur mit 0,1%, der „kleinere Partner” in solch einer Konstellation. Und wie es dem „Juniorpartner” in solch einer – aus gutem Grund oft „Koalition des Stillstandes” geschmähten – Koalition ergehen kann, hat die SPD bei den Bundestagswahlen im letzten Jahr sehr schmerzhaft erfahren müssen.
Ganz egal, welche Option nun von den agierenden Personen am Ende nun umgesetzt wird, es wird mit Sicherheit nicht einfach werden.
Aber das Leben ist kein Ponyhof und Wahlergebnisse kein Wunschkonzert…
Ergebnisse in Heiligenhaus
Entgegen der Gesamtergebnissen auf Landesebene ist die Entscheidung der Heiligenhauser Wählerinnen und Wähler doch merklich klarer ausgefallen.
Hier zeigt sich auch ein ganz typisches Wählerverhalten in den eher „ländlichen Räumen”. Denn dort hat statistisch die SPD nicht so stark „zulegen” können als in urbanen Ballungsräumen (z.B. im Ruhrgebiet). Zudem ist die CDU traditionell gerade in Heiligenhaus immer sehr stark.
Erststimme (Direktkandidaten)
Bei der Erststimme konnte sich der CDU-Kandidat Dr. Wilhelm Droste, trotz leichter Verluste, klar mit 41,61% (gesamter Wahlkreis Mettmann II: 44,6%) gegen seine Herausforderer durchsetzen und wird somit zum vierten Mal in Folge mit einem Direktmandat in den Landtag einziehen.
Verständlich, dass der stets gut gebräunte Notar aus Ratingen mit großem Applaus empfangen wurde, als er nach seinem „Zug durch die Gemeinden” am fortgeschrittenen Abend im Rathaus der Stadt eintraf.
Allerdings war sein Abstand zu der Kandidatin der SPD bei den am Sonntag abgegebenen Stimmen recht knapp. Lediglich 195 Stimmen lag sein Ergebnis vor dem von Elisabeth Müller-Witt. In 13 von 19 Wahkbezirken schlug ihn die SPD-Kandidatin sogar! Oftmals war die Differenz der beiden Kandidaten aber auch verschwindend gering. So betrug der Unterschied im Wahlbezirk 2140 (Autohaus Croll & Sondermann) nur 3 Stimmen (zugunsten der SPD-Kandidatin)!
Doch insgesamt reichte ihm dann doch sein Stimmenvorsprung in den restlichen Bezirken. Hinzu kam dann noch das Ergebnis der Briefwahl, das sehr deutlich für Dr. Droste sprach (1319 Stimmen – auf die SPD-Kandidatin entfielen nur 855 der Briefwahlstimmen).
Sein bestes Ergebnis erzielte Dr. Droste (fast schon traditionell) in Isenbügel (2010 – der Wahlbezirk mit den meißten abgegebenen Stimmen (904 – 898 gültig)), wo er 53,3% der Stimmen auf sich vereinen konnte. Wie eindeutig die Bürger in diesem Stadtteil votiert haben wird noch klarer ersichtlich, wenn man sich vor Augen führt das dort auch die Kandidatin der Grünen mit 11,8% und der Kandidat der FDP mit 6,7% ihre besten Ergebnisse erziehlten. Und um das Bild zusäzlich zu bekräftigen ist dieser Stadtteil auch der Ort, in denen die Kandidatin der SPD mit 25,5% und der Kandidat der Linken mit 2,5% ihre jeweils schlechtesten Ergebnisse einfuhren. „Bürgerlicher” geht’s wohl nimmer…
Geradezu entgegengesetzt präsentieren sich die Ergebnisse im Nonnenbruch (2100). Dort gab es für den CDU-Kandidaten mit 28,9% das schlechteste Ergebnis, während die SPD-Kandidatin mit 46,8% ihr bestes Ergebnis einfuhr. Und auch der Kandidat der Linken holte dort mit 10,9% sein bestes Ergebnis. Mehr noch: es gelang ihm sogar, sich dort noch vor den Kandidaten von FDP (4,0%) und den Grünen (9,2%) zu positionieren. Dies gelang ihm sonst nur noch im Wahlbezirk St.Suitbertus (2060), wo sein Vorsprung zur Kandidatin der Grünen allerdings nur 3 Stimmen betrug.
Zweitstimme (Parteien)
Bei den Zweitstimmen für die Landeslisten der Parteien ist das Ergebnis etwas durchwachsener, da es statt der 5 Direktkandidaten immerhin 25 Möglichkeiten gab, seine Stimme zu vergeben. Damit lag die Anzahl der angetretenen Parteien ziemlich genau in der Mitte zwischen Europawahl (31 Parteien) und Bundestagswahl (19 Parteien).
Nach Auszählung der am Sonntag abgegebenen Stimmen betrug der Vorsprung der CDU gegenüber der SPD allerdings nur marginale 25 (!!!) Stimmen. Erst die Ergebnisse der Briefwahl ließen den Vorsprung um weitere 370 Stimmen wachsen.
Aber es zeigten sich dennoch, equivalent zur Vergabe der Erststimme, dass manche Stadtteile eine sehr eindeutig strukturierte Wählerschaft vorweisen.
Wie auch bei der Erststimme gab es für die CDU in Isenbügel (2010) das beste Ergebnis mit 44,1%. Auch die Grünen (13,2%) und die FDP (12,2%) haben dort auch bei der Zweitstimme ihre Hochburg. Die SPD mit 23,2% und die Linken mit 2,6% konnten nicht wirklich punkten und bekamen dort ihr schlechtestes Ergebnis.
Im umgekehrten Fall war es auch wieder der Nonnenbruch, in dem die CDU mit 24,5% weniger als ein Drittel der Wähler für sich mobilisieren konnte im Vergleich zu Isenbügel (129 Stimmen vs. 397 Stimmen). Auch die Grünen (9,5%) und die FDP (4,0%) blieben deutlich unter ihrem Durchschnitt.
Die SPD hingegen ist im Nonnenbruch auch bei den Zweitstimmen wieder Oben auf. Mit 43,4% erlang sie im Nonnenbruch ihr bestes Ergebnis. Ebenso die Linke mit 9,9%.
Die „sonstigen” Parteien
Was bei den offiziellen Tabellen oftmals unter „Sonstige” oder „Andere” zusammen gefasst wird, lohnt dennoch einen kurzen Blick.
Denn auch wenn die Parteien sämmtlich weit unter der 5%-Hürde blieben, und bei der Konstituierung des neuen Bundestages praktisch keine Rolle spielen, so haben sie in Heiligenhaus doch zusammen – wenn auch einzeln sehr unterschiedlich – mit 6,67% (6,5% im Land) immerhin mehr Stimmen bekommen als die Linke.
Zwei Parteien ragen aus der Menge der „Kleinstparteien” deutlich hervor.
Zum einen die Piratenpartei, die im Landesergebnis mit 1,5% die „Größte” unter den „Kleinen” wurde. In Heiligenhaus lag sie mit 1,41% also ziemlich gleichauf mit ihrem Landesergebnis. In den Wahlbezirken 2040 (Autohaus Wagner) und 2060 (St.Suitberus) kamen sie sogar auf über 3% der abgegebenen Stimmen. Somit konnte die Piratenpartei ihre Erfolge aus den Wahlen vom Vorjahr, wenn auch nicht ausbauen, so doch relativ konstant halten.
Zum anderen sind da die „Rechtspopulisten” von ProNRW, die in Heiligenhaus mit 1,46% sogar noch 5 Stimmen vor den Piraten lag und somit hier die stärkste Kraft unter den „Kleinen” wurde. Im Landesergebnis liegt sie mit 1,4% allerdings knapp hinter den Piraten. In den einzelnen Wahlkreisen in Heiliogenhaus lagen sie allerdings auch in ihren „Hochburgen” stets unter 3% (bestes Ergebnis: 2,7% im Wahlbezirk 2040 (Autohaus Wagner)).
ProNRW hatte übrigens während des Wahlkampfes illegal (da „wild” und nicht ordnungsgemäß angemeldet) in Teilen der Stadt ihre Plakate aufgehängt. Dies zeigt ein wenig, wei wichtig diesen Leuten geltendes (Orts-)Recht eigentlich ist…
Die besondere Aufmerksamkeit für diese beiden Parteien ist auch deshalb begründet, da sie über die 1%-Hürde gewählt wurden und somit in den Genuss der „Wahlkampfkostenerstattung” nach §18 des Parteiengesetzes kommen. Das bedeutet, sie bekommen pro auf sie entfallene Stimme 85 Cent pro Jahr aus Steuergeldern. Theoretisch sind dies bei den Piraten 101.643,85 € und bei ProNRW 90.892,20 €. Jährlich. Bis zur nächsten Landtagswahl.
Parteien, die hinter 1% der abgegebenen Stimmen blieben, gehen leer aus.
In wie weit die abgegebenen Stimmen für all die „Kleinstparteien” von sogenannten „donkey votes”, von Protestwählern oder „Überzeugungstätern” herrühren kann man Aufgrund der geheimen und freien Wahl in Deutschland natürlich nicht wirklich erruieren.
Sie aber einfach zu ignorieren wäre aber sicherlich nicht der richtige Umgang mit den fast 500.000 Wählerinnen und Wählern die für eben diese „Kleinen” votierten…
Wahlbeteiligung und so…
Die Wahlbeteiligung lag im Lande bei 59,3%, was 7.872.862 abgegebenen Stimmen entspricht.
In Heiligenhaus lag die Wahlbeteiligung mit 61,74% knapp über dem Landesschnitt. 47,45% der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme am Sonntag in ihren Wahllokalen ab, 14,29% nutzten die Möglichkeit der Briefwahl.
Die deutlich größte Wahlbeteiligung gab es in Isenbügel. Dort gingen 904 Wählerinnen und Wähler zur Urne. Das entspricht 71,18% der registrierten Wahlberechtigten ohne Sperrvermerk*. In der WAZ wurde behauptet, der Wahlbezirk 2160 (KiTa Löwenzahn) in der Unterilp hätte die stärkste Wahlbeteiligung. Nach vorliegenden, endgültigen Ergebnissen ist das so aber nicht richtig. Die Wahlbeteiligung dort entsprach nur 56,3% (678 abgegebene Stimmen). Da sind der WAZ-Redaktion wohl „falsche Zahlen” geliefert worden. Beim Vergleichswert Isenbügel sind auch die Wähler mit Sperrvermerk* einbezogen worden, was am Ende einen Prozentsatz von 55,4 ergab.
Der Wahlbezirk mit der geringsten Wahlbeteiligung liegt in der Oberilp (2150). Dort fanden nur 38,38% der Wahlberechtigten ohne Sperrvermerk* den Weg ins Wahllokal.
*Der „Sperrvermerk” gibt an, dass Wählerinnen und Wähler, die eigentlich wie jeder Andere Aufgrund ihres Wohnortes dem jeweiligen Wahlbezirk zugeordnet sind und eigentlich auch nur dort wählen dürfen, einen Wahlschein beantragt haben um auch an einem anderen Ort wählen zu dürfen — das kann ein anderes Wahllokal sein, per Briefwahl oder ein paar Tage zuvor im Rathaus. Daher geht man davon aus, dass die Wähler „mit Sperrvermerk” eben nicht am Wahlsonntag in „ihrem” Wahllokal wählen werden.
Ungültige Stimmabgaben gab es insbesondere bei der Erststimme (Direktkandidaten). 204 (1,05%) der abgegebenen Stimmen waren ungültig. Deutlich mehr als bei einer der Wahlen im letzten Jahr.
Bei der Zweitstimme war es nicht so dramatisch. Dort gab es lediglich 134 (0,69%) ungültige Stimmen.
Der Landesdurchschnitt lag mit 1,7% (Erststimme) und 1,5% (Zweitstimme) leicht darüber.
Eine Besonderheit bei dieser Wahl: Zwei der 19 Wahlbezirke (2022 – Heilpädagogischer Kindergarten & 2050 – Realschule) wurden vom Demoskopie-Institut „Infratest dimap” zur Ermittlung der frühen Wahlprognosen genutzt. Jeder Wähler wurde nach Stimmabgabe gebeten, seine Wahlentscheidung anonym auch an die Meinungsforscher zu übergeben. Etwa 90% der Befragten beteiligten sich.
Fazit
Auch wenn viele „Experten” vielleicht unterschätzen wie sehr dann doch landespolitische Sachverhalte das Wahlverhalten bestimmt haben (Sooo „erfolgreich” war die Arbeit der Schwarz-Gelben Regierungskoalition in den letzten Jahren dann eben doch nicht — und dabei braucht man gar nicht alleine an all die Skandale und Skandälchen zurück denken, in die Jürgen Rüttgers und seine Minister verwickelt waren. Die Liste der „Fehlleistungen” würde hier den Rahmen sprengen), das Wahlergebnis ist trotz allem ein klares Signal nach Berlin.
Beide dort regierenden Parteien sind vom Wähler übel „abgestraft” worden.
Und die Reaktion kam prompt. Fast schon hatte man das Gefühl, Angela Merkel kam diese Wahlschlappe geradezu gelegen, um die ewigen Rufe der Liberalen nach unrealistischen Steuersenkungen erst einmal kategorisch zu unterbinden.
Roland Koch aus Hessen geht noch einen Schritt weiter, und fordert „angesichts des Wahlausganges in NRW” ein noch drastischeres Sparkonzept – und führt auch direkt ein geeignetes Einsparungspotential an: Die „U3-Betreuung”, die während des Wahlkampfes von der CDU noch als eine der herausragenden Leistung ihrer Politik angeführt wurde.
Darüber hinaus ergehen sich die Politiker jeder Partei dem traditionellen Schuldzuweisen, Schönreden und Taktieren. Da fragt sich der Bürger doch, ob diese Politiker insgeheim eine Verabredung getroffen haben, um die Wahlbeteiligung weiter zu drücken indem man wissentlich und willentlich die Politikverdrossenheit weiter forciert. Oder anders gefragt: Für wie doof halten diese Politiker eigentlich ihre Wähler?
Abgesehen von diesem „machtpolitischen Schmierentheater” gibt es allerdings eine Entwicklung, die durchaus nachdenklich stimmt:
Zählt man alle Stimmen für Parteien des „rechten Lagers” zusammen, kommt man in NRW auf weit über 200.000 Stimmen (gut 2,7%).
Das ist im Verhältnis zu manch anderen Landtagswahlen der Vergangenheit (insbesondere in Ostdeutschland) zum Glück (noch?) ein verschwindend geringer Anteil.
Aber insbesondere die „rechtspopulistische” ProNRW hat ein Ergebnis eingefahren, das in dieser Höhe viele nicht erwartet haben. Insbesondere nach den groß angekündigten aber dann doch gescheiterten „Anti-Islamisierungs-Konferenzen” in Köln und den innerpolitischen Zerfallserscheinungen (Da sei als Beispiel die „politische Karriere” des Heiligenhausers Uwe Berger erwähnt, der noch vor einem halben Jahr mit reichlich Posten im Vorstand dieser Partei saß – bevor er aus den eigenen Reihen geschasst wurde und die Partei beleidigt und im Zorn verließ).
Und auch wenn diese Partei weit hinter ihren hoch gesteckten Zielen blieb (obwohl sie in manchen Wahlkreisen 4-5% holten), alleine dass sie nun in den Genuss von „Wahlkampfkostenerstattung” aus Steuergeldern kommt, muss einen bitteren Beigeschmack hinterlassen.
Insbesondere, weil schon 2008 einige besorgte Bürger aus Heiligenhaus versuchten, über die wahren Hintergründe dieser Partei zu informieren und dabei auf breiter Front auf Widerstand in Teilen der Bevölkerung stießen – oder zumindest mir Desinteresse und mangelnder Unterstützung bedacht worden sind. So müssen sich jene, die damals z.B. die „Infoveranstaltung” so vehement tropedierten, die Frage gefallen lassen, in wie weit deren Handeln damals auf die Stimmenanzahl von ProNRW von Heute einen Einfluß hatte…
Aber abgesehen von all dem gibt es auch ein Aspekt, der zur Hoffnung gereicht:
Da die Ergebnisse in den Einzelnen Wahlkreisen teilweise SO eng beianander lagen, kann es für all jene „Nichtwähler” eventuell eine Motivation sein, das ihre Stimme vielleicht doch mehr Gewicht hat als sie sich selbst zubilligen.
Und vielleicht überlegen sie es sich beim nächsten mal doch anders…
Bis 2013 werden wir Wähler aber nun erst einmal von weiteren Wahlkämpfen verschont bleiben.
Voraussichtlich…
Die folgenden Fotos wurden vom Ralf auf der Wahlparty aufgenommen























19 Kommentare
Neuen Kommentar schreiben1. Zahngold schrieb am 11. Mai 2010 um 21:14
Wer ist eigentlich der Typ mit dem komischen Hut auf Bild 10? Sicher einer von der jungen Union, oder?
2. Cartmann schrieb am 11. Mai 2010 um 22:52
Will da Jemand die junge Union beleidigen?:-o
3. Schwarzer Winkel schrieb am 12. Mai 2010 um 00:54
Oh, das ist ein ganz ein Schlimmer.
Der spielt mit den Schmuddelkindern und singt deren Lieder.
Ein Freigeist und -denker.
Vor dem muss eindringlich gewarnt werden!
Subversiv und anarchistisch, progressiv und utopistisch…
Das sowas überhaupt noch frei ‘rumlaufen darf.
4. wuppertaler schrieb am 12. Mai 2010 um 12:35
**GG** Das ist kein Hut…das ist Programm…sein Programm…hat er zumindest hier im Blog mal verlauten lassen.
Ansonsten ist die Analyse recht interessant.Danke !
5. Martin schrieb am 12. Mai 2010 um 16:50
Ein Ergebnis mit dem sicher nicht jeder so gerechnet hatte
.
6. ich schrieb am 13. Mai 2010 um 22:16
Aber ein schönes!
7. Cartmann schrieb am 13. Mai 2010 um 22:37
Schwarz Gelb ist abgewählt:)
Ein Grund zur Freude! Lasst uns zusammen dafür kämpfen bald eine neue und gerechte Welt zu formen!!
8. Wuppertaler schrieb am 14. Mai 2010 um 10:21
Ogottogott….Rosa und Karl sind wieder auferstanden
9. ich schrieb am 14. Mai 2010 um 15:48
@ Wuppertaler: Meinst Du wirklich Gott lässt Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wieder auferstehen? Interessante theologische These.
Interessant finde ich auch, dass Dir bei Cartmanns Forderung nach einer gerechten Welt sofort diese beiden einfallen. Hätte ich gar nicht von Dir gedacht?
10. amarillyon schrieb am 14. Mai 2010 um 16:32
Vielleicht meinte Wuppertaler ja auch Rosa von Praunheim und Karl Dall?
Ach die sind noch gar nicht tot?
Aber mal ehrlich, wenn selbst Wuppertaler einsieht, das eine „gerechte Welt” nur den Linken (vergangener Epochen) zu erreichen ist, sagt das doch einiges über den Zustand unserer Republik aus !?
11. wuppertaler schrieb am 14. Mai 2010 um 17:34
@amarillyon
Was ist los….hab ich was verpasst??
12. amarillyon schrieb am 14. Mai 2010 um 19:54
Ogottogott… wohl beim schreiben von #8 nicht duselbst gewesen?
SO weit ist es schon?
13. wuppertaler schrieb am 14. Mai 2010 um 20:27
@amarillyon
Das war nicht ganz so feine Ironie. Wie kommst Du darauf ich wäre in irgendeiner Form einsichtig?
Ich sehe ein das bei manchen hier Hopfen und Malz verloren ist.
Andererseits zähle ich mich trotz des beschi….. Wahlergebnisses noch nicht zu einer Minderheit.
Minderheiten stehen auf dem Wahlergebniss immer gaaaaanz unten auf dem Score.
Jetzt verstanden…ich schreibe das zur Not auch gaaaanz langsam.
14. ich schrieb am 14. Mai 2010 um 22:04
@ amarillion: Da muss ich wuppertaler natürlich wieder recht geben: wie kann man darauf kommen, dass wuppertaler in irgendeiner Form einsichtig geworden wäre.
15. wuppertaler schrieb am 16. Mai 2010 um 19:20
@ich
Ich muß dir recht geben….amaryllion schwächelt….SCHADE…
16. dede schrieb am 17. Mai 2010 um 01:07
@ Wuppertaler:
Nein, der schwächelt keineswegs. Er ist nur schwer beschäftigt. Ich übrigens auch. Außerdem habe ich Dich durchschaut. Es gibt jetzt 2 Wuppertaler auf dem Blog.
Wuppertaler und wuppertaler. Ja, mir kannst Du nichts vormachen.
17. Dede schrieb am 17. Mai 2010 um 01:10
@ Wuppertaler:
Glaub dem Idioten kein Wort. Der versucht mich nachzuäffen.:-)
@ dede:
Raus hier, Du Nickschmarotzer.
18. Wuppertaler schrieb am 17. Mai 2010 um 09:19
Das ist bühnenreif: Du bist gebucht.
19. Die Landtagswahl im Wahlbezirk 2100 « PAN – Parteilose Alternative für den Nonnenbruch schrieb am 19. Mai 2010 um 14:35
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