Das Nahversorgungszentrum wächst

Wandel im Handel – Ladenlokale in Wohngebieten stehen leer

Zügig voran geht es mit dem Bau des Nahversorgungszentrums Grün-Selbeck. Hier entstehen neue Einkaufsmöglichkeiten für die Bewohner der Oberilp und der Unterilp. Außerdem wird auch der Bedarf der Menschen des  – noch in Bau befindlichen – Wohngebietes „Grün-Selbeck“ abgedeckt. Aber auch für sogenannte „Laufkundschaft“ ergeben sich neue Einkaufsmöglichkeiten, denn es wird auch nötigen Parkraum geben. Der ALDI-Markt, von der Weilenburgstraße, und auch der REWE-Markt, von der Ludgerusgalerie, werden in das neue Nahversorgungszentrum umziehen. Die Eröffnung soll bereits Anfang April sein. Abgerissen wird der alte „Ilper Markt-Treff“.

Wandel im Handel ist sichtbar

Der Wandel im Handel ist in Heiligenhaus gut zu beobachten. Früher existierten in den Wohngebieten kleine Einzelhandelsgeschäfte, die noch privat betrieben wurden. Am Wassermangel fanden Kunden früher eine ganze Geschäftszeile, bestehend aus Metzgerei, Friseur, Drogerie, Milchgeschäft, Lebensmittel und Gastwirtschaft. Ein ganzer Stadtteil versorgte sich dort, mit den wichtigsten Waren. Irgendwann kamen die Supermärkte auf und boten viele Artikel günstiger an. Auch die Warensortimente waren größer. Früher waren größere Verkaufsflächen in den Wohngebieten, auch für Discounter noch interessant. Heute geht der Trend zu großen Verkaufsflächen auf der “Grünen Wiese“, oder in einer attraktiven Innenstadtlage, mit genügend Parkraum, in unmittelbarer Nähe zum Geschäft.  Filialbetriebe stellen heute ganz andere Ansprüche, wenn und um Verkaufsfläche und Geschäftslage geht.

Eine verkehrsmäßig günstige Anbindung ist eine wichtige Vorraussetzung. Kunden müssen die Möglichkeit haben, mit einem gefüllten Einkaufswagen problemlos bis an ihr Auto zu kommen. Diese Möglichkeit gibt es in vielen Ortsteilen nicht unbedingt. Daraus resultiert auch der Leerstand, von größeren Ladenlokalen, wie es zum Beispiel im Ortsteil Nonnenbruch der Fall ist.  Filialbetriebe und Discounter liefern sich heute oftmals einen erbitterten Wettbewerb. Vor etwa 30 Jahren betrug die Gewinnspanne im Lebensmittelbereich durchschnittlich 3 Prozent, in einer Mischkalkulation. Und wenn man viele Filialen hat, ist die Kapitalbindung durch Waren und Lagerkosten enorm hoch. So kann ein Supermarkt mit etwa 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche durchaus einen Warenbestand von 500.000.- Euro (Verkaufswert] haben.

Man stelle sich vor, man könnte diese Summe für 2 Jahre festverzinslich bei einer Bank anlegen. Somit wird klar, dass es nicht nur die Personalkosten sind, die viele Investitionen verhindern, es ist das sogenannte „tote Kapital“, das als Ware in Märkten schlummert. Ist der Umsatz nicht ausreichend, dann funktioniert die Kalkulation nicht. Die Folge ist, dass viele Läden wegen Unrentabilität verschwinden und es gibt dann auch Leerstände von großen Ladenlokalen. Aber auch bekannte Markenartikler sind in den späten achtziger Jahren vom Markt verschwunden, weil sich deren Besitzer auf völlig neue Geschäftsfelder konzentrierten. Als Beispiel sei hier die Werhahn-Gruppe genannt, die sich damals von allen Handelsketten trennte. Der Name „SCHÄTZLEIN“ wird in Heiligenhaus noch in Erinnerung sein. Zu der Werhahn-Gruppe gehörten damals noch „Bolle-Märkte“ (Berlin) und eine Feinkost-Kette, im Rhein-Main Gebiet. Aber auch andere Namen wie „HILL“, „CoOp“ oder „Allkauf“ gibt es nicht mehr.

Teilweise gab es auch Insolvenzen und Übernahmen. Auch Karstadt hatte sich sehr schnell vom Handel mit Lebensmitteln getrennt und Betrieb nur noch Kaufhäuser ohne Lebensmittelabteilungen. Geht man heute durch die Wohngebiete in Heiligenhaus, dann stehen viele Ladenlokale gänzlich her. Einige kleinere Ladenlokale wurden zu Wohnungen umgebaut, andere Geschäftsräume dienen heute Handwerksbetrieben als Lager und Büro. Die großen Ketten investieren in Wohngebieten meistens nicht mehr, weil ihnen das geschäftliche Risiko zu groß ist. Kaufmännisch betrachtet, ist das eine verständliche Entscheidung. Auf Heiligenhaus bezogen, kann man mutmaßen, dass die Innenstadtlagen wieder interessanter werden. Besonders an den Markttagen kommen viele Menschen aus den Wohngebieten in die Stadt um sich zu versorgen. Früher war das weniger der Fall, denn in den Wohngebieten waren die Einkaufsmöglichkeiten nicht schlecht. In die Stadt musste man nur, wenn es nicht anders ging. Heute bekommen Innenstadt-Flächen wie das KIEKERT-AREAL eine völlig neue und wichtige Bedeutung. Trotzdem ist auch für kleine Einzelhändler das Geschäft in der Innenstadt schwieriger geworden. Auch hier gibt es Leerstände von Ladenlokalen, selbst im Rathauscenter. Am Stadtrand führen verlängerte Öffnungszeiten von Warenhäusern außerdem zu einer Wettbewerbsverzerrung. Immerhin kann jeder Euro auch nur einmal ausgegeben werden. Aber jeder Euro der bei einem Discounter oder bei einem Warenhaus in die Kasse wandert, wird dem lokalen Wirtschaftkreislauf auch noch entzogen. Die großen Handelsketten haben eigene Handwerkerkolonnen oder Vertragsfirmen, die Umbauten und Reparaturen vornehmen. Für die örtlichen Handwerksbetriebe fallen kaum Aufträge ab. Das Geld landet auf den Konten der jeweiligen Konzerne und wandert nicht zurück in die Regionen.

Veränderte Einkaufsgewohnheiten

War man als Kunde vor 30 Jahren seinem “Händler um die Ecke“ noch treu, so setzt man sich längst problemlos in das eigene Auto. Man fährt in die Innenstadt oder an den Stadtrand, um Waren für den täglichen Bedarf einzukaufen. Die Mobilität der Menschen hat auch das Einkaufsverhalten verändert. Problematisch wird es nur dann, wenn man kein Auto hat und der Weg bis zu einem Lebensmittelmarkt weiter ist. Natürlich gibt es in Heiligenhaus Busanbindungen, in viele Stadtteile. Aber eine Einkaufstasche wird schnell schwer und der ÖPNV fährt nicht bis vor die eigene Haustür. Wer zu Fuß gehen muss, geht teilweise weite Wege. Wegen der Topografie ist das beschwerlich für ältere Menschen oder auch für Frauen mit Kinderwagen. Durch den demografischen Wandel in unserer Gesellschaft, wird sich dieses Problem den nächsten Jahren noch deutlich verschärfen. Und man stelle sich vor, wenn man mit dem Bus oder zu Fuß von einem Einkauf zurück kommt und zuhause feststellt, dass man die Butter für das Wochenende vergessen hat………..

Neue Versorgungslücken könnten entstehen

In Heiligenhaus wird der „Ilper-Markt-Treff“ abgerissen und auch der Umzug von ALDI und REWE in das Nahversorgungszentrum „Grün-Selbeck“ wird woanders vermutlich neue Versorgungslücken aufreißen. Menschen aus dem Nonnenbruch müssen entweder zu Lidl oder in die Innenstadt laufen. Viele verschwundene Geschäfte hinterlassen obendrein auch soziale Lücken, weil sich viele Menschen nicht mehr begegnen. Der persönliche Kontakt in einem Wohngebiet oder sogar in der direkten Nachbarschaft wird weniger. Auch der gute alte „Kiosk an der Ecke“ stirbt immer mehr aus. So wird auch der ehemalige Kiosk an der Talburgstraße – Ecke Kantstraße bald abgerissen. In der Ludgerusgalerie stehen derzeit 6 Ladenlokale leer. Angeblich sind diese Flächen zu vermieten. Aber was passiert dort, wenn REWE umzieht? Niemand weiß es genau. Fast in jedem Stadtteil gibt es vergleichbare Situationen. In Hetterscheidt gibt es bekanntlich den Leerstand des ehemaligen OBI-Gebäudes und vor wenigen Tagen hat auch der Friseurbetrieb von der Velberter Straße das Geschäft zur Hauptstraße verlagert. Der einzigste Trost ist der, dass auch andere Städte von diesen Ereignissen betroffen sind.  Auch große Warenhausketten stöhnen über schlechte Geschäftszahlen. Viele Ketten schreiben seit Jahren rote Zahlen, so das sich der Markt noch weiter bereinigen dürfte. Gerade jetzt, in Zeiten der Rezession.

Konzepte für die Zukunft

Um die Versorgung der Menschen sicher zu stellen, muss es in den nächsten Jahren weitreichende Projekte und Initiativen geben. Nachbarschaftshilfe, Bürgerschaftliches Engagement, ehrenamtliche Tätigkeit müssen optimal mit dem Dienstleistungswillen des Handels und auch mit planerischen Konzepten kombiniert werden. Möglicherweise wird man auch über die Einrichtung eines „Bürgerbusses“ diskutieren müssen. Teilweise fahren bereits Verkaufsfahrzeuge durch einige Wohngebiete und decken heute bereits einen Teilbereich mit Lebensmitteln ab. Aber der Handel unterliegt einem ständigen Wandel und der Kunde gerät ins Hintertreffen. Früher haben große Märkte die kleinen „gefressen“, heute „verschlingen“ die schnellen Märkte die „langsamen“.  Das was heute am grünen Tisch der Discounter geplant wird, kann wenig später schon überholt oder sogar hinfällig sein. Es geht nur noch um den schnell verdienten Euro, und der „König Kunde“ bleibt auf der Strecke.
Vor unangenehmen Überraschungen ist niemand gefeit und auch große Handelsriesen können – von heute auf morgen – von der Bildfläche verschwinden.

9 Kommentare

  1. dennis
    Jan 29, 2009

    Hi Ralf, der Artikel ist wikrlich interessant auch wenn ich bzgl. des Themas nicht in allen Punkten Deiner Meinung bin. Dennoch wird dieses Thema zunehmend an Bedeutung gewinnen. Aufgrund der vielen baulichen und flächenbezogenen Veränderungen in Heiligenhaus werden wir in den nächsten Jahren bestimmt noch zahlreiche Überraschungen erleben ;)

    Mich würde ernsthaft interessieren was unsere Heiligenhauser die Entwicklung einschätzen und was der Einzelhandel denkt.

    VG,
    Dennis

    Kommentar bewerten: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  2. daniel
    Jan 29, 2009

    hallo,
    ich finde den beitrag ebenfalls sehr interessant. aber wäre es nicht sinnig auch mal den leer stehenden obimarkt zu nutzen??? da hatte man direkt ein fertiges gebäude gehabt und hätte nur den innenausbau planen müssen. Ich bin selbst unterilper und habe auch kein problem damit mit dem bus nach hösel zu fahren. ich hoffe nur das der aldimarkt um einiges besser wird als bisher. ich habe noch nie so einen dreckigen und unorganisierten laden gesehen.oder findet ihr es in ordnung vor schimmelndem obst und gemüse zu stehen???
    das einzige was mich an dem einkaufszentrum sehr freut ist, dass wir endlich rossmann nach heiligenhaus bekommen. ein sehr gutes geschäft.

    mfg
    daniel

    Kommentar bewerten: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  3. Ralf
    Jan 29, 2009

    @Dennis

    Der Artikel soll ja auch nachdenklich machen ;-)
    Fachbegriffe, wie: Regalgebühren, Jahresrückvergütung,
    Naturalrabatt, Listungsgespräche oder Vorjahresumsätze hab ich natürlich bewusst weggelassen. Das hätte nur verwirrt ;-)

    @Daniel

    Das mit dem OBI-Markt ist eine traurige Sache. Man kennt den Sachstand auch nicht. Es ist auch Sache eines Vermieters hier aktiv zu werden.

    Ich bin übrigens ganz bewusst nicht auf die Qualitäten der angebotenen Ware eingegangen, denn das war nicht Ziel dieses
    Artikels. Natürlich verstehe ich solche Ärgernisse sehr gut…..

    LG,

    Ralf.

  4. zarin
    Jan 29, 2009

    Ich persönlich werde besonders den Rewe Markt an der Rheinlandstrasse vermissen, dort gehe ich mehrmals wöchentlich rein, insbesondere wenn ich etwas vergessen habe oder spontan brauche. Da mein Sohn gegenüber in den Kiga geht ist das mehr als praktisch. Wenn dort bald gar nichts mehr ist,ist das äußerst bedauerlich. Auch das Altenheim wird aus der Wäsche gucken, wo sollen die Senioren denn nun Zeitung, Brötchen und Co kaufen? Allerdings kan ich es auch verstehen wenn Markt lieber in ein Wohngebiet zieht wie Grün Selbeck. Neuer Laden, reichlich Kunden. Hoffen wir es zumindest.

    Kommentar bewerten: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  5. Exil-Heiligenhauser
    Jan 30, 2009

    Sorry, aber mir gefällt die Überschrift nciht. Ich habe gedacht, dass ich hier einiges über den Neubau erfahren würde – einen solchen Artikel habe ich nciht erwartet. Ich finde auch, dass hier sehr viele persönliche Empfindungen Platz gefunden haben. Es fehlt an vielen (zu vielen!) Stellen an fakten. Und flüssig geschrieben ist er auch nicht, zu viele Gedankensprünge.

    Ralf, das ist wirklich nicht gegen dich, aber dieses mal finde ich, dass du absolut dran vorbei geschrieben hast.

    Kommentar bewerten: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  6. dennis
    Jan 30, 2009

    @Exil

    Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass es nicht leicht ist für einen Hobby-Journalisten mit regionalem Bezug so einen Artikel zu verfassen. Das Thema ist in jeder Hinsicht komplex. Von der Seite aus finde ich es schon interessant denn es spiegelt das Emfinden eines Heiligenhauser Bürgers wieder. Gut, das ganze ist nicht wirlich neutral verfasst, da gebe ich Dir recht. Aber der Artikel bietet dafür ausreichend Platz für andere Meinungen und Sichtweisen.

    VG,
    Dennis

    Kommentar bewerten: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  7. Ralf
    Jan 30, 2009

    Vielleicht kann man die zweite Überschrift ergänzen:

    “Wandel im Handel – Ladenlokale in Wohngebieten stehen leer”

    Der Sinn des Artikel käme dann besser zum Ausdruck.

    LG,

    Ralf.

  8. Richard
    Jan 31, 2009

    @ Exil
    ich finde den Artikel sehr gut.

    Für mich als gebürtigen, alten Heiligenhauser rief der Artikel (sowie so viele Artikel hier im Blog) sehr viele Erinnerungen an meine Jugend hervor *schwälg*
    Ich schaue hier immer wieder gerne mal vorbei und erwarte keine journalistischen Meisterleistungen.

    Kommentar bewerten: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  9. Ralf
    Jan 31, 2009

    Heute morgen wurde in der Stadt der neue Veranstaltungskalender vom Stadtmarketing verteilt.
    Und was lese ich auf Seite 62?
    Das Stadtmarketing möchte einen “Bürgerbus” einrichten…..
    …. und bittet um Mithilfe.

    Manchmal muss man einfach nur so etwas wie eine “Ahnung” haben, denn gewusst habe ich davon wirklich nichts.
    Schönes Wochenende…….

    LG,

    Ralf.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Powered by WP Symposium - Social Networking for WordPress v11.12.08